Weingut Kracher, Illmitz, Österreich
DER SEEWINKEL: NATIONALPARK UND NATURPARADIES
Weit im Osten Österreichs liegt der Neusiedler See, an der Grenze zu Ungarn. An seinem östlichen Ufer erstreckt sich der Nationalpark Seewinkel, ein von seltener Schönheit geprägtes Naturparadies. Dichtes Schilf, dahinter flache Steppe mit sandigen Weiden, durchsetzt von weiteren kleinen Seen. Hier nisten seltene Vogelarten im Schilfgürtel. Wegen der vielen kleinen Gewässer nennen die Einheimischen die Gegend "Seewinkel". Drei Gemeinden - Podersdorf, Illmitz und Apetlon - haben sich zu Zentren der Genusskultur entwickelt. Rinder, Schafe und Gänse grasen auf den Steppenweiden, deren Fleisch in der Gastronomie hoch begehrt ist. Die berühmten wolligen Mangalitza-Schweine haben hier ihre eigentliche Heimat.
Eingang Weingut Kracher
Das ist die Stunde der Wahrheit: Was Klima und Terroir des Seewinkels, Sorgfalt bei der Lese und Vinifizierung wirklich hervorgebracht haben, zeigt sich beim Öffnen einer Flasche Kracher. Dabei stellt die Serie der Trockenbeerenauslesen nur die Spitze der Pyramide dar, gewissermaßen die Königsklasse, in der sich Botrytis und Frucht zu höchster Harmonie vereinen. Kracher keltert auch Auslesen, Beerenauslesen und Eisweine, wenn es der Jahrgang nahelegt, sowie eine Spätlese mit zarter Restsüße und klarer, sauberer Primärfrucht.

Weingärten Weingut Kracher
Das Geheimnis der Süße ist die edle Fäulnis und die klirrende Kälte. Alle Weine aus dem Hause Kracher sind natürliche Süßweine. Ihre Süße und Aromenvielfalt verdanken sie nicht der Kellertechnik, sondern ausschließlich der natürlichen Konzentration von Extraktstoffen in den Trauben. Eine solche Konzentration kann auf zwei Wegen entstehen: durch Edelfäule oder durch Frost. Süßweine mit Edelfäule sind Weine mit den Bezeichnungen „Auslese“, „Beerenauslese“ und „Trockenbeerenauslese.“ Diese Weine stammen so gut wie immer aus Trauben, die mit dem Schimmelpilz "Botrytis cinerea" befallen sind. Das Wasser wird durch diesen Pilz der Traube entzogen, sie schrumpfen rosinenartig ein, wobei Zucker, Säure und Aromastoffe konzentriert werden. Dadurch bleibt bei der Vergärung auf natürliche Weise ein Rest an unvergorenem Zucker zurück, der durchaus 130 Gramm pro Liter oder noch mehr betragen kann. Außerdem steuert die Botrytis eigene Aromakomponenten bei, die im fertig ausgebauten Wein an geröstetes Brot oder Panettone erinnern können. Es braucht sehr viel Fingespitzengefühl für die Arbeit mit Botrytis. Edelfaule Trauben müssen im idealen Moment geerntet werden, wenn die Beeren bereits deutlich geschrumpft sind, aber bevor sie zu hohe Werte an volatiler Säure entwickeln. Das erfordert strenge Selektion am Rebstock – daher rührt der Begriff "Auslese". Bis zu acht Mal pro Ernte geht Gerhard Kracher durch die Weingärten, um für jede Traube den richtigen Zeitpunkt zu erwischen. Für Eiswein müssen die Trauben bei der Ernte gefroren sein, dann müssen sie unmittelbar und noch im gefrorenen Zustand gepresst werden. Der Frost ist auf ganz andere Weise verantwortlich für die gleiche Wirkung wie die Edelfäule: Wasser wird den Beeren entzogen, indem es kristallisiert, der Most wird so auf natürliche Weise konzentriert. Eisweine sind in Ihrer Frucht klarer, gradliniger und frrischer, aber auch weniger komplex als die edelfaulen Geschwister. Eisweine zeigen meist keine Botrytistöne.
Eiswein-Trauben

Weinkeller Weingut Kracher